Mein Jacquard-Kussecht

Hallo ihr Süßen!

Ich hab mir gedacht, dass ich heute ein bisschen mehr schreibe und euch ein klein wenig von mir erzähle. Ich finds ja selber immer interessant, was die anderen so alles machen – Mal abgesehen vom Nähen. Mich interessiert einfach der Mensch, der hinter der Seite steht 💗
Das hab ich mir jedenfalls schon beim Shooting überlegt und deswegen habe ich dieses Kussecht von Jojolino auch mit einem meiner Lieblingsbücher geshootet … über Auguste Rodin.
Auguste Rodin war ein französischer Bildhauer der Moderne. Aber fangen wir am besten ganz von vorne an 💗💗

Wie manche von euch ja wissen, studiere ich derzeit Kunstgeschichte im Master an der Uni Hamburg und ich freu mich einfach total aufs nächste Semester, denn dann gibt es endlich ein Seminar über den Bildhauer, der mich seit Jahren am meisten fasziniert: Auguste Rodin.
Mein Weg in die Kunstgeschichte war aber alles andere als gradlinig 😉

Seit ich denken kann male und zeichne ich. Als Kind und Teenager überwiegend Frauen, denen ich dann tolle Kleidchen gezeichnet habe, wobei ich dann auch mal überlegt hatte Mode-Design zu studieren, aber das hab ich dann schnell wieder verworfen. Ich hab auch Comics und Mangas gezeichnet und hab es total geliebt. Kunst war immer mein absolutes Lieblingsfach in der Schule und ich hab sogar Zeichen- & Malunterricht bekommen, weil es mir soviel Freude bereitet hat… und ich kann sagen: Ich war richtig gut darin.
Als ich dann in der Oberstufe war, hab ich natürlich neben meinem Deutsch LK auch Kunst als LK-Fach gewählt, dass musste einfach sein. Es war soooo gut, es hat mir soviel Spaß gemacht und ich hab großen Input bekommen, das war einfach klasse. Diese zwei Jahre des Kunst-LK waren in vier thematische Semester unterteilt. Besonders beeindruckt hat mich zum einen das Semester über Skulptur/ Plastik und zum anderen das Semester über Fotografie.
Ich war vorher noch nie so in Berührung gekommen mit Skulptur… Klar, Pappmasche kannte ich und Ton auch, aber so richtig? Nee… deswegen war ich richtig geflasht und hab alles Wissen förmlich aufgesogen und viel experimentiert: Mit Gips, Ton und auch Holz… und ich war wiedermal gut darin, es fiel mir leicht und locker von der Hand und ich habs geliebt 💗 Hier begann auch meine Liebe zu Rodin und seitdem wuchs mein Traum, einmal das Musée Rodin in Paris zu besuchen.
Das Fotografie-Semester war auch ziemlich cool, von den Lochbildkameras bis hin zu einem eigenen Fotobuch, was jeder von uns entwickeln konnte… Ich hab damals mit einer analogen Nikon fotografiert und fands richtig klasse… die Bilder hab ich selber in einer Dunkelkammer in der Schule entwickelt. Ich hab das Buch hier immer noch zu Hause in meine Bücherregal stehen, weil es den Titel „Meine Wege“ trägt und dadurch einfach Landschaften und Gebäude zeigt, die mir etwas bedeuten… angefangen von den kleinen süßen Gassen in Lübeck, oder dem Burgtorfriedhof, eins der letzten Bilder zeigen dann Zuggleise am Bahnhof von Bad Oldesloe.
Da ich auch Deutsch-LK hatte, wuchs auch die Liebe zum Theater, ich besuchte oft das Thalia Theater und das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Letztlich musste ich mich nach dem Abitur für eins dieser beiden Leidschaften entscheiden.

Ich hab mich für das Thema Deutsch und Theater entschieden, aber auch auf der kreativen Ebene: Ich habe nämlich dann erstmal ein Jahr Praktikas gemacht. Ich war vier Monate am Thalia Theater im Bereich Requisite. Anfangs hat es mir auch gefallen. Nur nachdem klar wurde, dass ich in die anderen Bereiche (Kostümbild und Bühnenbild) nicht reinschnuppern durfte, wie es vorher abgesprochen war, hatte ich keine Lust noch den Rest der Spielzeit dort zu verbringen und bin durch viel Glück am Deutschen Schauspielhaus Hamburg genommen worden. Dort habe ich dann den Rest der Spielzeit mehrere Produktionen in den Bereichen Bühnen- und Kostümbild betreut. Ich muss sagen, dass das eine ganz wundervolle Zeit am Schauspielhaus war und ich die Menschen dort sehr schätze. Ich selbst hab mich als „kleine Praktikantin“ auch dort sehr wertgeschätzt gefühlt.
Nebenbei habe ich mich, wie bereits ein Jahr zuvor an verschiedenen Universitäten im Bereich Bühnenbild/ Kostümbild beworben. Natürlich total vergebens. Denn dort genommen zu werden, ist wie ein sechser im Lotto.
Ich habe dann aber auch mitbekommen, dass ich als Kostüm- und Bühnenbilder sehr viel reisen muss, wenn ich nicht gerade das Glück habe fest am Haus angestellt zu sein und auch der Aufstieg von der Assistenz zum Bühnen-/Kostümbildner empfand ich damals als ungeheuer schwer. Das waren auch die Gründe, weshalb ich mich dagegen entschied diesen Beruf zu erlernen.
Aber was mach ich denn jetzt?
Ich ging also zum Arbeitsamt und lies mich beraten, denn es fiel mir schwer, mich für etwas zu entscheiden. Ich hatte aber auch wieder das Thema Kunst im Kopf und überlegte schon, ob ich nicht Steinmetz oder Gießer lernen wollte….



Aber tatsächlich hatte das Arbeitsamt für mich eine Schule gefunden, für die ich sofort Feuer und Flamme war, denn dort konnte ich zur Holzbildhauerin ausgebildet werden. Diese Schule ist in Flensburg und da ich den Aufnahmetest bestanden hatte, wurde ich angenommen und bin dann nach Flensburg gezogen.
Flensburg war ein ganz besonderer Abschnitt in meinem Leben. Die Arbeit machte mir wieder Spaß, im Zeichnen war ich einer der besten und es fiel mir wiedermal leicht… anders dagegen die praktische Arbeit mit Holz. Ich kann heute nicht mehr genau sagen, woran es wirklich lag. Ob es wirklich am Material lag oder einfach nur daran, dass ich ganz strikt nach Entwürfen arbeiten musste und nicht frei arbeiten konnte. Da es ein handwerklicher Beruf war, war es gaaaanz viel mit millimetergenauem Ausmessen und ganz feinem Ausarbeiten verbunden. Beides Dinge, die ich nicht mag, jedenfalls nicht am Material Holz. Vielleicht hätte es mir mehr gelegen, wenn ich freier in der Gestaltung hätte sein können? Aber das war in so einer Ausbildung nicht möglich. Ich war zunehmend frustriert, weil das Holz nicht so wollte, wie ich … und ich hatte nur einen Gedanken: „Ich muss das können! Ich muss darin gut sein. Ich will das.“ Ich konnte mich mit dem Gedanken, dass es mir einfach nicht lag absolut nicht anfreunden. Wirklich üben außerhalb der Schulzeit konnte ich auch nicht, denn ich hatte noch einen Nebenjob, der mich während der Ausbildung finanziell über Wasser hielt.
Es gab aber eins, was ich richtig cool fand… Das war die Exkursion in den Harz, wo wir an richtigen Baumstämmen mit Kettensägen arbeiten konnten. Zugegeben, das Wetter war richtig mies und ich war auch ein totaler Schisser, aber ich hab meine Skulptur geliebt 💗
Nach zwei Jahren totaler Frustration über das praktische Arbeiten mit dem Holz wurde ich dann vor den Sommerferien vor die Wahl gestellt: Ich sollte das letzte Jahr wiederholen, d.h. ich hab noch zwei Jahre vor mir, in denen ich auch regelmäßig nachmittags üben musste, um besser zu werden oder ich ging ab. Mir war klar, dass es das gewesen war und ich abgehen musste. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich hatte schon nach einem Jahr darüber nachgedacht, aber nach einem Jahr wollte ich nocht nicht aufgeben… Mir fiel sonst alles so leicht, in jedem anderen Fach der Ausbildung war ich richtig gut, aber das Holz und ich verstanden uns einfach nicht… und es hat sehr lange gedauert um zu erkennen, dass ich mit dem Kopf durch die Wand wollte und dass das nicht sein muss.
Wieder die Frage: Was nun? Die Einschreibefristen an den Unis war zu diesem Zeitpunkt schon vorbei… Ich entschied mich dazu eine Fotografie-Ausbildung zu beginnen und versuchte in kürzestes Zeit noch irgendwo einen Ausbildungsplatz zu finden (meinen kurzen Exkurs ins Tattoo-Geschäft lass ich an dieser Stelle lieber mal aus, haha). Ich hatte Kontakt zu einem tollen Fotografen in Flensburg knüpfen können und machte quasi ein Praktikum. Ich half bei ihm ab und zu aus und er zeigte mir was über Fotografie. Ich durfte sogar sein Studio nutzen um einen Freund zu fotografieren, das war sooo cool. Auch war er so lieb und hat mir eine ältere (und trotzdem wahnsinnig teure) Kamera ausgeliehen, damit ich für mein Portfolio Portaits meiner Familie und Freunde in Hamburg machen konnte. Das war eine große Ehre für mich. Die Bilder konnte ich dann in seinem Atelier mit seinen Programmen bearbeiten.
Irgendwann im Laufe dieser Wochen bin ich auf eine Seite über Losverfahren der Unis gestolpert und hab mich für Germanistik eingetragen. Das hatte ich aber schnell wieder vergessen, da ich einfach zu sehr mit meinen Bewerbungen beschäftigt war.

Irgendwann, dann so Mitte September kam ne Mail, dass ich über dieses Losverfahren einen Platz an der TU Dresden bekommen habe. Ich hab die Mail zwei Mal lesen müssen, ich hab mich in dem Moment total gefreut und hatte große Angst zugleich. Ich hab dann erstmal meine Mama angerufen und sie war so begeistert und meinte „Mach das! Das ist richtig klasse!“
Das hieß, ich musste innerhalb von einem Monat mich zurückmelden, meine Wohnung & Co. kündigen, eine neue Wohnung in Dresden finden, bei mir alles einpacken und umziehen! Ähm ja, ein Monat. Das war echt krass. Mal vom behördlichen Kram abgesehen war das ne ganz schöne Nummer. Ich bin also erstmal nach Dresden gefahren und hab mir ne Wohnung gesucht, innerhalb einer Woche hatte ich die zum Glück auch, wobei es Momente gab, an denen ich sehr verzweifelt war und ich nicht wusste, was ich machen sollte, wie es weiter ging und nebenbei hatte ich alles beantragt: Bafög, Mietkaution, etc.
Dann wieder zurück in Flensburg, die Wohnung hatte ich vorher schon gekündigt, ich habe dann gepackt und mir einen Nachmieter gesucht und dann kam der Umzug.
Wenn ich heute den einen Freund frage, ob er mir bei einem Umzug hilft, rennt er quasi schreiend weg… haha… es war echt schlimm. Die Fahrt von Flensburg nach Dresden war richtig katastrophal. Es gab dauernd Staus und wir kamen irgendwann mitten in der Nacht an. Sonntags dann bin ich quasi eingezogen, weil es sonst einfach nicht ging. Mein Papa hat mir dann auch Lampen angebort, sonntags! Mein neuer Nachbar hat dann schon gemeckert und mein Vater hat dem Konter gegeben. Bohren ist nämlich nicht meins und ne Bohrmaschine hatte ich sowieso nicht und bis meine Eltern wieder zu mir kommen konnten vergingen ein paar Wochen. Alles nicht so ganz einfach.
Das Studium dann selbst war richtig toll. Germanistik und Kunstgeschichte waren meine Fächer. Die beiden ersten Semester waren hart, auch hier hatte ich im zweiten Semester sehr viel Angst, dass ich exmatrikuliert werde, da ich eine Klausur in einer Germanistik-Einführungsveranstaltung bereits zwei mal nicht bestanden hatte. Mir blieb nur noch ein Versuch übrig und ich habs zum Glück geschafft! In Dresden bekam ich wieder soviel Input, soviel Wissen, dass ich aufsogen konnte und ich liebte es. In der Ausbildung in Flensburg hatte wir zwar auch ein bisschen Kunstgeschichte, aber es war mir einfach zu wenig. Die ersten beiden Semester waren sehr anstregend, doch ich hab mich echt durchgefuxt, habe sogar innerhalb der drei Bachelor-Jahre mein Latinum geschafft und habe mein Praktikum in der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlung Dresden gemacht, dort hab ich das Albertinum so richtig lieben gelernt. Das Praktikum war für mich auch wieder was ganz besonderes, eine Zeit, an die ich gerne zurück denke, seit ich dort war, wollte ich unbedingt an einem Museum arbeiten.
Doch das Angebot in der Kunstgeschichte der TU war mir einfach zu Mittelalter-lastig, ich wollte mehr moderne Themen oder auch mal was über Skulptur haben, aber die meisten Seminare waren thematisch mit Kirchenbau besetzt und das war so gar nicht meins.
Ich beschloss also meinen Master in Bochum zu machen, denn dort gibt es den Studiengang Moderne und Zeitgenössische Kunst.



So begann ich dann meinen Master in Bochum, wieder viele, moderne Themen, genau meins. Ich hab dort auch in der Kunstsammlung auf dem Campus gearbeitet und ich fands einfach richtig spannend. Irgendwann musste ich dort dann auch an einer Exkursion teilnehmen und die ging nach Paris. Als mir das klar wurde, wusste ich sofort: Ich muss ins Musée Rodin! Und das tat ich auch. Ich war 10 Tage dort, jeder Tag war von morgens bis abends durchgeplant, also bin ich quasi abends nach Schluss mit meinen Mädels dahin gestapft und ich war verliebt.
Verliebt in die Skulpturen, die ich dort von ihm sehen konnte. Verliebt in das Schloss, indem er damals gewohnt hatte, einfach alles. Mein Traum wurde war und ich war total überdreht, gerührt und voller Freude. Das konnten auch meine Mädels merken, die das ja ganz süß fanden 💗
Ich hab drei volle Semester in Bochum studiert, bevor ich mich beurlauben liess, da die Geburt der Lütten bevor stand. Ich war längere Zeit beurlaubt. Nach 1,5 Jahren bin ich dann nach Hamburg gezogen und nach einem weiteren Jahr in Elternzeit, habe ich nun im letzten Oktober wieder angefangen zu studieren und werde hier meinen Master beenden.
Und endlich kommt ein Seminar über diesen Bildhauer, der mich schon soviele Jahre begleitet. Ich freu mich einfach total drauf 💗💗 Und angemerkt: Es ist das letzte Semester, in dem ich Seminare belege, bevor ich dann ab Oktober mit meiner Masterarbeit beginne. Quasi… Wunschseminar auf den letzten Drücker 💗💗

Wenn ihr euch jetzt fragt, was ich damit später einmal machen werde… Ich weiß es noch nicht, es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Ich würde nach wie vor gerne in einem Museum arbeiten, aber auch hier ist es sehr schwer ranzukommen und ich bezweifle, dass es sich mit meinem Mutter-dasein vereinbaren ließe… Denn Kuratoren haben einfach eine Menge Verantwortung zu tragen und arbeiten auch mal bis in den späten Abend hinein.
Vielleicht sitze ich irgendwann in einem Amt für Kultur mit festen Arbeitszeiten und so… mal schauen. Wie gesagt, es gibt sehr viele Möglichkeiten und ich will mich da jetzt nicht auf etwas versteifen. Mir ist nur wichtig, dass ich genügend Geld verdienen werde um meine Tochter und mich zu versorgen.
Eine Kommilitonen arbeitet zum Beispiel auf einem der AIDA-Kreuzfahrtschiffe in der Galerie und fährt damit quasi um die Welt, wer hätte das gedacht… Auf sowas muss man erstmal kommen!


Zugegeben, heute war es richtig viel Text, aber ich dachte mir, das mach ich mal, da ich ja manchmal nur ganz schnell angebunden bin und ich es einfach schön finde zu lesen, was einen sonst noch so interessiert, abgesehen vom Nähhobby.

Schnitt: Kussecht von Jojolino
Stoff: Jacquard von Lillestoff, gekauft bei Nordlicht-Stoffe
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